Herr Tarrach, was hat Sie dazu bewogen, die Misereor-Plakatkampagne mit Ihrem Foto zu unterstützen? Ich habe ohne Zögern zugesagt, weil Misereor eine Hilfsorganisation ist, die diese Korruption, die manche Länder wirklich wie eine Krake in der Hand hat, umgeht.

Misereor wird im nächsten Jahr 50 Jahre alt. Das Motto lautet „Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen“. Wenn Sie dieses Motto hören, was geht Ihnen dabei durch den Kopf? Also ich denke da an Afrika, wo man sehr, sehr zornig wird – gerade, wenn man selbst Kinder hat. Wenn in einem Land jahrzehntelang Bürgerkrieg um die Frage herrscht, wer die Diamantenminen ausbeuten kann, wenn eine ganze Bevölkerung darunter leiden muss, dann muss man einfach zornig werden.

Haben Sie bei Ihren verschiedenen Filmaufnahmen im Ausland Dinge erlebt, die Sie wütend oder auch zornig gemacht haben? Bei Dreharbeiten im Senegal habe ich Tagelöhner gesehen, die sich darum geprügelt haben, von dem Aufseher den Job zu bekommen, Reissäcke von einem Lkw abzuladen. Leprakranke, Kinderlähmung, bettelnde Kinder... so eine Armut kannte ich vorher einfach gar nicht. Dabei ist Senegal nicht mal eins der allerärmsten Länder. Aber man spürt, dass die Menschen ums nackte Überleben kämpfen müssen. Das hat mich sehr betroffen gemacht. Der Zorn kommt dann erst später, wenn man ein paar Zusammenhänge begreift.

Bei der Misereor-Kampagne werden Sie auf Plakaten in ganz Deutschland zu sehen sein. Wenn Sie darauf angesprochen werden, warum Sie da mitgemacht haben – was erwidern Sie dann? Wegen der Eindrücke, die ich in der sogenannten Dritten Welt bekommen habe. Und natürlich wegen der direkten Hilfe, die Misereor leisten kann, ohne dass Gelder in falschen Kanälen versickern.

Glauben Sie, dass die Arbeit von Misereor auch in 50 Jahren noch notwendig sein wird? Ich fürchte ja. Das klingt pessimistisch, aber ich fürchte ja. Es wird leider immer Menschen geben, die andere ausbeuten. Das ist sicher ein Grund, warum es immer so ein großes Gefälle geben wird.

www.misereor.de